Jacquardmuster
Mehrfarbige Muster lassen sich mit verschiedensten Techniken stricken: von unkomplizierten Streifen über Intarsien bis hin zu spannenden, aber einfach zu strickenden Mosaikmustern. Eine weitere, ganz klassische Technik ist das Jacquardstricken. Jacquardmuster erfordern schon etwas mehr Strickerfahrung und Fingerspitzengefühl, mit etwas Übung gehen aber auch sie gut von der Hand und eröffnen eine ganze Welt von Möglichkeiten.
Jacquardmuster – Was ist das?
Jacquardmuster werden oft auch als Norwegermuster bezeichnet, seit einigen Jahren auch als Colourwork oder Fair Isle nach der Technik von den Shetlands. Man findet sie in zahlreichen internationalen Stricktraditionen mit verschiedenen Besonderheiten und typischen Motiven, die von geometrischen Mustern bis hin zu tatsächlichen Bildern reichen. Auch moderne Motive begeistern immer mehr StrickerInnen und haben das Jacquardstricken wieder in den Fokus gerückt.
Egal wie die gestrickten Muster und Motive genau aussehen, das Prinzip ist immer gleich: Es liegt ein Zählmuster zu Grunde, nachdem in einer Reihe oder Runde eine bestimmte Zahl Maschen in einer Farbe gestrickt wird, dann eine bestimmte Zahl Maschen in einer anderen Farbe. Die Farbe, mit der gerade nicht gestrickt wird, wird dabei auf der Rückseite des Strickstücks mitgeführt. Das sind die sogenannten Spannfäden. So entsteht dann Reihe für Reihe und Runde für Runde das Muster.
Was muss ich beim Jacquardstricken beachten?
Die Farbwahl
Noch bevor du mit dem Stricken beginnst, ist die Wahl der Farben etwas, das einen großen Einfluss auf den finalen Look deines Jacquard-Strickstücks hat. Wähle Töne mit hohen Kontrasten, damit das Muster gut zu erkennen ist und richtig zur Geltung kommt.
Auf unseren Farbmusterkarten sind die Töne so angeordnet, dass sie besonders harmonisch zusammenspielende Farben auf den ersten Blick aufzeigen. So kannst du mit den Tönen und Kombinationen spielen und dich inspirieren lassen - und ganz leicht die Farben finden, die am besten zu dir passen.
Wenn du dir unsicher bist, ob der Kontrast ausreicht, kann dir dein Smartphone mit einem kleinen Trick helfen: Lege beide Garne nebeneinander und mach ein Foto – mit Schwarz-Weiß-Effekt. Den kannst du entweder gleich an der Kamera einstellen oder das Bild hinterher in der Galerie umwandeln. Kannst du beide Farben auf dem Schwarz-Weiß-Bild gut unterscheiden? Dann eignet sich deine Farbwahl gut für ein Jacquardmuster. Kannst du die Grautöne jedoch kaum auseinanderhalten, solltest du deine Wahl noch einmal überdenken.
Stricktechnik, Fadenspannung und Co.
Die einzig wahre Technik zum Jacquardstricken gibt es leider nicht. In unzähligen Tutorials auf YouTube, in Strickbüchern und im Netz kannst du dir verschiedene Techniken zu Fadenhaltung und Co. anschauen. Dann heißt es: Ausprobieren und Üben. Mit Geduld und Lust auf Neues findest du mit der Zeit die Technik, die für dich am besten passt. Genieß einfach den Prozess und lass dich nicht entmutigen, wenn es nicht gleich beim ersten Mal perfekt wird.
Unabhängig davon, wie genau du deine Fäden hältst, ist die Fadenspannung jedoch einer der wichtigsten Punkte beim Stricken von Jacquardmustern. Die Spannfäden, die auf der Rückseite mitlaufen, dürfen weder zu straff noch zu locker sein. Denn sind sie zu straff, also zu kurz, zieht sich das Gestrick zusammen und wellt sich unter Umständen sogar. Sind sie hingegen zu locker, werden deine Maschen gerade zu Beginn und Ende des Farbabschnitts zu groß und auf der Rückseite des Gestricks bilden sich unschöne Schlaufen.
Darüber hinaus solltest du gerade bei längeren Farbabschnitten den Spannfaden der anderen Farbe in regelmäßigen Abständen mit einweben, damit sich keine großenSchlaufen bilden, in denen du beim An- und Ausziehen hängen bleibst. In welchem Abstand du genau einwebst, hängt ein wenig von individuellen Vorlieben ab. Allgemein empfiehlt sich, den Spannfaden ca. alle 4-5 Maschen einzuweben.
Farbdominanz
Beim Stricken von Jacquardmustern gibt es normalerweise eine Haupt- und eine Kontrastfarbe. Die Hauptfarbe bildet den Hintergrund, während das Muster mit der Kontrastfarbe gestrickt wird. Da das Muster das Highlight des Designs ist, soll es herausstechen, und zwar sowohl farblich als auch plastisch. Die Maschen in der Kontrastfarbe sind dann ganz leicht größer und erhabener im Gestrick. Das erreichst du durch die Fadenführung.
Wenn mit zwei Farben gestrickt wird, läuft die Farbe, die gerade nicht im Einsatz ist, als Spannfaden auf der Rückseite mit. Beim Farbwechsel liegt der Faden immer entweder über oder unter dem anderen. Wird er oben geführt, geht er auf direktem Weg in die neue Masche über. Wird der Faden jedoch unten geführt, macht er einen kleinen “Umweg” zur nächsten Masche und braucht so mehr Garn. Dieses zusätzliche kleine Stück Faden sorgt dafür, dass die vorangegangene und folgende Masche in dieser Farbe minimal größer werden – das Muster hebt sich mehr ab, die Farbe ist also dominant.
Damit sich dieser Effekt gleichmäßig zeigt und dein Jacquardmuster harmonisch wirkt, ist es wichtig, die Fäden immer gleich zu führen.
Auch in unseren Kollektionen findest du wunderschöne Modelle mit Jacquardmustern, zum Beispiel den Pullover Calma mit seiner schönen Rundpasse. Die Mütze Pidu ist ein tolles kleines Projekt zum Einsteigen ins mehrfarbige Stricken, und das Chevron-Muster des Pullovers Sereno mit seinen kurzen, gleichmäßigen Farbwechseln ist einfach zu stricken und dabei sehr effektvoll. Der Cardigan Harbour Lights mit seinem geometrischen Muster, das einen spannenden Übergang der beiden Colourblocking-Töne bildet, ist schon etwas für eher geübtere Jacquard-LiebhaberInnen und ein Strickstück, auf das du dann richtig stolz sein kannst.

