Spannen? Dafür hat doch niemand Zeit! - Warum du dir aber diese Zeit nehmen solltest
Es ist sehr verlockend, ein gerade fertiggestricktes Teil einfach sofort zu tragen. Es gibt jedoch gute Gründe, sich die Zeit zum Spannen zu nehmen.
Vor allem bei Kleidung ist das Wichtigste die Passform. Denn wie du sicher schon bei deiner Maschenprobe bemerkt hast, neigt weiche Wolle dazu, noch einmal “aufzugehen”. Erst nach dem Waschen werden die endgültigen Maße erreicht und insbesondere Oberteile wie Pullover, Jacken und Tops erreichen durch das Spannen die perfekte Passform.

Darüber hinaus verleihst du Handgestricktem durch Waschen und Spannen erst das richtige Finish. Die Maschen setzen sich und das Maschenbild wird noch einmal gleichmäßiger. Insbesondere, wenn du glatt rechts gestrickt hast, und bei Colourwork wirst du hier einen Unterschied sehen können. Aber auch Strukturmuster kommen so erst richtig zur Geltung und zeigen sich in ihrer ganzen Schönheit.
Ein ganz besonderes Gefühl ist es, Lacemuster zu spannen. Durch die Feuchtigkeit und das flachliegende Trocknen öffnen sich die Maschen und die durch Umschläge entstandenen Freiräume, und das Muster erblüht regelrecht. Hier ist der Unterschied am deutlichsten sichtbar.

Spannen bedeutet nicht immer Spannung
Was genau ist nun aber Spannen (engl. Blocking) und wie gehst du dabei vor?
In jeder unserer Anleitungen findest du eine Kurzanleitung zum Spannen:
Das Strickstück in lauwarmem Wasser einweichen, mithilfe eines Handtuchs vorsichtig ausdrücken. Flach hinlegen, vorsichtig in Form schieben und auf die angegebenen Maße bringen, ggf. feststecken. Flach liegend trocknen lassen.
Im Grunde genommen ist das auch schon alles. Es geht darum, das Strickstück glatt auf einem flachen Untergrund in die gewünschte Form zu bringen und genau so trocknen zu lassen, um die oben beschriebenen Effekte zu erreichen.

Einweichen in lauwarmem Wasser
Lass also ins Waschbecken oder in eine Schüssel ausreichend handwarmes Wasser ein. Die Temperatur sollte so sein, dass du selbst angenehm hineinfassen kannst. Du kannst ins Wasser auch ein bisschen Wollwaschmittel geben, das du anschließend gut ausspülst. Dann gönnst du deiner selbstgestrickten Schönheit ein entspannendes Bad. Du musst das Strickstück nicht bewegen, kannst es aber liebevoll etwas ins Wasser drücken. Lass es so lange im Wasser liegen, bis die Wolle sich ganz vollgesaugt hat, und gib ihm dann noch ein paar zusätzliche Minuten.
Vorsichtig ausdrücken
Lass das Wasser ab und drück schon einmal vorsichtig Wasser aus. Dann legst du das Strickstück ausgebreitet auf ein Frotteehandtuch und rollst es ein. Auch hier kannst du wieder liebevoll etwas drücken. Dadurch entweicht weitere Feuchtigkeit, die direkt vom Handtuch aufgenommen wird.
Flach hinlegen und in Form bringen
Nun ist dein Strickstück noch gut feucht, aber nicht mehr triefnass. Es ist schwer und sehr nachgiebig, Ärmel scheinen meterlang. Lege es auf eine flache Oberfläche, am besten Spannmatten, schiebe es in Form und bringe es auf die in der Anleitung gegebenen Maße. Du wirst selbst bemerken: Du brauchst gar nicht ziehen oder zerren, unsere Wolle arbeitet mit dir. Ist dein Teil an einer Stelle zu lang oder zu breit, schiebe es einfach vorsichtig wieder etwas zusammen.
Vollständig trocknen lassen
Nun kommt die wirkliche Geduldprobe. Lass dein Werk komplett durchtrocknen. Je nach Wetter, Luftfeuchtigkeit, Garn und Muster kann das unterschiedlich lange dauern. Wähle daher einen Ort aus, an dem dein Strickstück auch mal ein bis zwei Tage liegen kann. Durch Fühlen kannst du schauen, ob schon alles trocken ist. Denk dabei daran, dass die Seite, die oben liegt, schon trocken sein kann, die Unterseite aber noch etwas feucht. Das kannst du vorsichtig prüfen und erst wenn es auch hier ganz trocken ist, seid ihr beide bereit, glanzvoll zusammen auszugehen.
Spannen von Lacemustern
Lacemuster sind der einzige Fall, bei dem tatsächlich Spannung ins Spiel kommt, damit sich das Muster und die Form voll entfalten können. Und auch bestimmte festere Garne, wie zum Beispiel Leinen, profitieren von etwas mehr Nachdruck. Achte darauf, möglichst gleichmäßig zu spannen und hilf dir dabei mit dem richtigen Zubehör.

Praktisches Zubehör
Spannmatten
Spannmatten gibt es in Sets, die aus “Puzzleteilen” aus Schaumstoff zum Zusammenstecken bestehen, sodass sie flexibel eingesetzt werden können und je nach Form deines Strickstücks die passende Unterlage bilden. Es gibt sie auch mit Raster, das beim Ausführen der korrekten Maße hilft.
Stecknadeln, T-Nadeln, Kammnadeln
Wenn dein Strickstück tatsächlich etwas mehr Nachdruck beim Spannen benötigt, fixierst du es mit Nadeln. Spezielle T-Nadeln und Kammnadeln für StrickerInnen sind rostfrei – sehr wichtig beim Spannen feuchter Strickstücke. Durch die T-Form können die Maschen nicht wie bei gewöhnlichen Stecknadeln über den Kopf rutschen.
Kammnadeln sind beim Spannen längerer Seiten praktisch und sorgen für gleichmäßigen Zug über die Maschen hinweg. Sie eignen sich gut für gerade Linien wie z.B. bei Pullovern, Tüchern und Schals.
Spanndrähte
Flexible Spanndrähte sind tolle Helfer beim Spannen von Lace, vor allem bei (größeren) Tüchern. Du kannst gerade Kanten und auch Rundungen damit einfach und gleichmäßig spannen. Die Spanndrähte werden durch das Strickstück gefädelt und mithilfe der Metallnadeln an der vorgesehenen Stelle befestigt.


