Merino d’Arles

Wolle aus Südfrankreich mit Tradition - der Ursprung unserer gleichnamigen Garnline

Die Schafe

Merino d’Arles ist eine Schafrasse aus Südfrankreich, deren Ursprung auf das Jahr 1806 zurückgeht. Dem französischen König Ludwig XVI gelang es Ende des 18. Jahrhunderts zum ersten Mal Merinoschafe aus Spanien zu importieren. Vorher war das unter Todesstrafe verboten, denn für die Spanier stellte die begehrte Merinowolle ein wertvolles Exportgut dar. Die Merinos wurden auf verschiedene Regionen Frankreichs verteilt, wo königliche Schafzuchten errichtet wurden. In den meisten Gegenden konnten sich die spanischen Schafe nicht an das neue Klima anpassen lassen, aber in der Region rund um Arles gab es eine alte einheimische Rasse, die sich gut mit den Merinos kreuzen ließ und weiche Wolle lieferte.

Anfangs gab es verschiedene Kreuzungsformen und mit Beginn des 20. Jahrhunderts wurden schließlich die Eigenschaften für die neue eigenständige Schafrasse Merino d’Arles festgelegt. Bis zu 300.000 Tiere lebten in der Region Provence-Alps-Cotê d’Azur, heute sind es noch etwa halb so viele. Die meisten davon findet man im Winter in der Schotterebene der Crau, einem Teil des großen Rhône Deltas westlich der Côte d’Azur. Die mittelgroßen Schafe sind an stärkere Klimaschwankungen angepasst, bewegen sich problemlos im schwierigen Berggelände und können gut in großen Herden wandern. Letzteres ist vor allem wichtig für die Transhumanz.

Die Transhumanz

Wenn es im Juni in den Ebenen zu heiß wird, werden die Schafe in die Berge getrieben, wo noch ausreichend Gras vorhanden ist. Ende September geht es zurück bevor der Schnee in den Bergen einsetzt. Transhumanz ist der Name für die Tradition, die 2500 bis 3000 v. Chr. in Südfrankreich begann und die auch seit der Kreuzung mit Merinoschafen fortbesteht. Während die Herden früher den ganzen Weg über Wochen laufen mussten, werden sie heute über einen Teil der Strecke in die Alpen gefahren. Trotzdem müssen die Hirten oft noch mehrere Tage lang gehen bis sie die höchsten Almwiesen auf über 2000 Meter erreicht haben. Große Hunde aus den Pyrenäen beschützen die Schafe dort den Sommer über vor Angriffen von Wölfen.

Im Frühsommer gibt es in einigen Städten in Südfrankreich Feiern, um die Herden in die Berge zu verabschieden. Bei der Fête de la Transhumance treten Musiker und Gaukler auf und es werden regionale Produkte angeboten. Der Höhepunkt ist aber wenn die Schafherden mit den Hirten voran durch den Ort ziehen.

Die Wolle

Merino d’Arles haben eine der weichsten Wollen in Europa mit einer Feinheit von unter 22 Micron (zum Vergleich: unsere Merinowolle aus Patagonien hat 19,5). Jedes Schaf gibt etwa 2kg Wolle, die nach dem Scheren in Südfrankreich händisch sortiert und von Verunreinigungen befreit wird.

Die Wolle hat eine der stärksten Kräuselungen und wirkt dadurch versponnen etwas bauschiger als andere Garne mit einer vergleichbaren Lauflänge. Bis in die frühen 1990er war sie sehr beliebt, doch dann zerstörte die wachsende chinesische Textilindustrie den Marktpreis der Wolle. Die Schafe wurden nur noch für ihr Fleisch gehalten und beim Scheren wurde nicht mehr auf die Qualität des Materials geachtet. Die Wolle wurde ungereinigt in Ballen gepresst und nach China verfrachtet.

Erst vor wenigen Jahren haben sich einige Züchter mit Händlern zusammengetan und einen „Circle de Qualité“ gegründet, um die Qualität zu steigern. Es gibt jetzt Regeln für die Haltung der Schafe, die Vorbereitung und Durchführung der Schur sowie das Packen der Wolle. Durch die Weiterbildung der Züchter kann die Wolle wieder in Europa verarbeitet werden und nachhaltige Preise erzielen.

Das Garn

Lange schon hatten wir den Traum, eine rein europäische Schafwolle zu finden, die nicht nur nach GOTS Bio-zertifiziert ist, sondern sich auch zu wunderbar weichem Garn verspinnen lässt. Das schien beinahe unmöglich, weil die Wolle der meisten in Europa heimischen Schafrassen als eher kratzig empfundenen wird. Fanden wir weiche Wolle, so war sie entweder nicht aus kontrolliert biologischer Tierhaltung oder nicht in ausreichender Menge vorhanden. Die Suche hat uns über Jahre beschäftigt. Natürlich waren wir überglücklich, als wir schließlich die feine Wolle der Merino d’Arles Schafe aus Südfrankreich entdeckten.

Die Merino d’Arles Wolle, die wir beziehen, kommt gewaschen und gekämmt in unsere Spinnerei in England. Sie ist GOTS-zertifiziert wie alle Wolle, die wir kaufen. Das heisst, dass die Tiere nach den Standards der kontrolliert biologischen Tierhaltung (kbT) gehalten werden, entsprechend des EU-Bio-Siegels. In England wird das Garn gesponnen, verzwirnt und gefärbt.

Zusammen mit der Designerin Melanie Berg haben wir lange an der exakten Definition des Garns gearbeitet. Verschiedene Möglichkeiten bezüglich der Lauflänge, Zahl der Zwirne und der Zwirndrehung mussten getestet werden, um das optimale Ergebnis zu erreichen. Entschieden haben wir uns schließlich für ein traditionelles 2-fädiges Garn in Fingering-Stärke. Für die Farben fingen Melanie und Rosy mit einer Farbpalette auf Papier an, dann suchten sie passende Textilfarbmuster und schickten diese an die Färberei. Bei Melanie in Bonn haben sie schließlich die Ergebnisse aus England gesichtet und die endgültige Farbpalette ausgewählt.

Insgesamt hat es zwei Jahre gedauert, von den ersten Gesprächen bis zum fertigen Garn, das wir im November 2017 vorstellen konnten: Die erste GOTS-zertifizierte Merino d’Arles Wolle.

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Rosy (links) und Melanie Berg (rechts) mit den ersten Proben des ne...